Wir wohnen in Paraiba, das ist im Nordosten von Brasilien, auch genannt der „heiße Nordosten“. Selbst so manchem Brasilianer ist es hier im Sommer zu heiß, haben wir doch deutlich über 40° im Sommer und um die 25° bis 30° im Winter. Ich ertrage das Klima erstaunlicherweise recht gut, aber nur weil Joao Pessoa am Meer liegt und daher einen ständig frischen Wind hat, der vermeintlich kühlt. Zudem leiste ich mir den Luxus eines klimatisierten Schlafzimmers, das ich mit Hilfe von Elektrizität und einer Klimaanlage auf 25° herunterkühle. Das ist zwar ziemlich teuer hier, aber ohne dem könnte auch ich nicht schlafen. Und außerdem ist täglich mehrfaches Duschen angesagt.

 

Es gibt keine Warmwasserversorgung, genauso wenig, wie es eine Trinkwasserversorgung gibt. Das Wasser, was aus der Leitung kommt, ist grob gereinigt, aber kein Trinkwasser, und eine Warmwasseranlage oder gar Heizung hat hier kaum ein Haus. Und Trinkwasser kauft man im Supermarkt oder lässt es in 25 L Behältern anliefern.

Wer als Europäer zum ersten Mal unter einer brasilianischen Dusche steht, bekommt das kalte Grausen, denn man kann wählen zwischen kalt duschen oder „warm aber todesmutig“.

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Unser Duschtauchsieder

 

Mangels Warmwasserversorgung haben die Duschen so eine Art Tauchsieder über dem Duschkopf, der mittels Lüsterklemme direkt an die 220 Volt Anlage geschlossen wird und dessen Ein-/Ausschalter direkt mit nassen Füßen aus der Dusche bedient wird (todesmutig!). Diese Dinger sind so eine Art Verbrauchsartikel, man weiß, dass sie nicht lange halten, deswegen gibt es sie auch in jedem größeren Supermarkt zu kaufen.

In der Regel halten diese Tauschsieder-Duschköpfe so in etwa ein Jahr, danach kommt irgendwann der Kurzschluss, weil irgendeine Billigdichtung den Geist aufgegeben hat, und man kauft eben den nächsten Duschkopf. Hauptsache man hat nicht unter der Dusche gestanden, zum Zeitpunkt des Kurzschlusses.

 

Ich habe mir einmal so einen Stromschlag eingefangen, seitdem dusche ich wie ein harter Kerl, eben kalt. In Wahrheit braucht man aber gar kein harter Kerl sein, denn auch im Winter kommt das Wasser zwar „kühl“ aber nicht kalt aus der Leitung. Selbst im Winter, wenn wir tagsüber 25° Grad haben, kommt das Wasser immer noch mit etwa 20° Grad aus der Leitung. Das ist durchaus akzeptabel, wenn gleich beim Haare waschen etwas kühl. Und im Sommer kommt es sowieso handwarm, denn der Wassertank für jedes Haus ist oben auf dem Dach, so dass eigentlich immer zumindest handwarmes Wasser aus der Leitung kommt.

Wozu also das Risiko eingehen? Ich dusche kalt und das mit Vergnügen und ohne Furcht.

 

Nun hat in Brasilien eigentlich jedes Zimmer auch ein Badezimmer. So hat unsere Wohnung mit Ihren bescheidenen 250 m² auch 5 Badezimmer. Niemand weiß warum, aber das ist hier eben so. Und so hat jeder hier sein eigenes Bad, zusätzlich gibt es eines für Gäste und eines fürs Arbeitszimmer, sprich Büro.

Wir duschen hier alles kalt, nur im Winter zum Haare waschen, da brauchen meine Damen warmes Wasser, deshalb gibt es in der Dusche vom Arbeitszimmer einen Duschkopf mit Tauchsieder, der konsequent, ob kaputt oder nicht, einmal im Jahr erneuert wird. Ich lasse das von einem Elektriker machen, damit ich sicher bin, dass auch die Erdung angeschlossen ist. Wie man auf dem Foto deutlich sieht, hatte mein “Fachmann” gerade keine Lüsterklemme zur Hand, aber die sind drei Leitungen fachmännisch mit Isolierband angeschlossen, eine muss also die Erdung sein. So können sich meine drei Damen die Haare mit warmen Wasser waschen, während ich es dennoch bevorzuge kalt zu duschen.

5 Comments for this entry

  • Ben sagt:

    Gefaellt mir gut die Seite. Gute Themenwahl.

  • Anita Blunck sagt:

    Hallo Christian,hier ist Anita aus OEDEME
    deine Geschichte mit dem Tauchsieder finde ich sehr lustig. Im Geschichten erzählen warst du ja schon immer gut.
    Grüße aus dem kalten verschneiten Deutschland

    • Christian sagt:

      Ich freue mich sehr, dass dir meine kleinen Berichte aus Brasiliens Alltag gefallen, gerade diese Kleinigkeiten, die für den normgewohnten Westeuropäer unvorstellbar sind, machen da Leben hier
      interessant und bunt und niemals langweilig. Lieben Gruß CB

  • Mari sagt:

    Habe mich sehr über deinen Blog gefreut, da ich gerade Infos über Joao Pessoa gesucht habe. Mein Mann kommt aus Joao Pessoa, lebt aber schon seit ca. 15 Jahren in Europa. In ca. 1-3 Jahren (nach Beendigung meines Studiums) wollen wir (mit unseren zwei Töchtern) dorthin “auswandern”. Da mein Bruder gerade sein Studium abgeschlossen hat (Diplominformatiker) und gern im Ausland arbeiten möchte, dachte ich mir, dass es doch praktisch wäre, wenn er gleich was in Joao Pessoa finden würde. Gibt es denn dort evtl. Softwarefirmen oder Arbeitsmöglichkeit für einen Diplominformatiker aus Deutschland?
    Liebe Grüße aus Berlin an die ganze Familie und vielen Dank für die Insiderinfos auf deinem Blog, die sind wirklich sehr hinfreich, da man sich so eine realistische Vorstellung des Lebens in Joao Pessoa machen kann!
    Gruß, mari aus berlin

  • hagedorn günther sagt:

    moin crischan
    kenne alles ,was du da angibst,seit 1974.
    bin 36 jahre mit meiner nordestina verheiratet,
    sollten uns mal treffen,bin in diesem jahr mal wieder in J.P.
    nehme am meia maratona 2012 teil,start tambau !kennst das?
    ausgewandert bin ich noch nicht,aber mit dem herzen mehr in
    paraiba als in alemanha.den grund brauche ich hier nicht
    genauestens erklären.lucena,jacare ,intermares ,cabedelo,
    poco,jacumao,bessa,inga ,jaguaribe und mehr ist mir nicht
    nur bekannt.

    solong und adeus
    g.hagedorn ut bremen

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